Drei Begriffe – drei völlig unterschiedliche Bedeutungen
"Unser Wasser hat ein Redoxpotential von -400 mV."
"Dieses Gerät erzeugt Redoxwasser."
"Unsere Technologie arbeitet mit Redox-Signalmolekülen."
Wer sich heute mit Gesundheit, Wasseraufbereitung oder moderner Zellbiologie beschäftigt, begegnet dem Begriff Redox immer häufiger. Doch genau hier beginnt oft die Verwirrung.
Viele Hersteller verwenden denselben Begriff – meinen jedoch völlig unterschiedliche Dinge.
Dabei ist der Unterschied eigentlich ganz einfach.
In diesem Artikel bringen wir Licht ins Dunkel und zeigen dir, warum Redox, Redoxpotential und Redox-Signalmoleküle zwar zusammengehören, aber keineswegs dasselbe sind.
Redox – Die Sprache des Lebens
Jede einzelne Zelle unseres Körpers kommuniziert. Sie produziert Energie, repariert Schäden, reagiert auf Stress und stimmt sich permanent mit Milliarden anderer Zellen ab.
Damit all das funktioniert, laufen ununterbrochen sogenannte Redoxreaktionen ab.
Das Wort Redox setzt sich aus den Begriffen Reduktion und Oxidation zusammen.
Dabei werden Elektronen von einem Molekül auf ein anderes übertragen.
Klingt zunächst sehr chemisch.
In Wirklichkeit ist es einer der grundlegendsten Vorgänge des Lebens.
Ohne Redox gäbe es keine Zellatmung.
Keine Energie.
Keine Bewegung.
Keine Immunabwehr.
Keine Regeneration.
Man könnte deshalb sagen:
Redox ist die chemische Sprache des Lebens.
Jede Sekunde finden in unserem Körper Milliarden dieser Elektronenübertragungen statt.
Sie ermöglichen unter anderem:
-
die Energieproduktion in den Mitochondrien,
-
die Zellkommunikation,
-
Reparaturprozesse,
-
die Immunabwehr,
-
sowie zahlreiche Stoffwechselvorgänge.
Redox beschreibt also den Prozess selbst.
Stell dir eine Stadt vor...
Um den Unterschied besser zu verstehen, machen wir einen kleinen Ausflug.
Stell dir eine große Stadt vor.
Autos fahren.
Busse fahren.
Fahrräder bewegen sich.
Menschen sind unterwegs.
Es herrscht ständig Verkehr.
Dieser Verkehr entspricht dem Redoxprozess.
Elektronen bewegen sich – genau wie Autos – permanent von einem Ort zum anderen.
Der Verkehr ist notwendig, damit die Stadt überhaupt funktioniert.
Genauso funktionieren unsere Zellen.
Redoxpotential – Die "Spannung" eines Systems
Nun kommt der Begriff, der wahrscheinlich am häufigsten missverstanden wird.
Das Redoxpotential beschreibt nicht den Verkehr selbst.
Es beschreibt lediglich, wie gut der Verkehr fließen könnte.
Bleiben wir bei unserer Stadt.
Es gibt breite Straßen.
Schmale Straßen.
Autobahnen.
Baustellen.
All diese Faktoren beeinflussen, wie leicht sich Fahrzeuge bewegen können.
Genau das beschreibt das Redoxpotential.
In der Chemie gibt es an, wie leicht ein Stoff Elektronen aufnehmen oder abgeben kann.
Nicht mehr.
Aber auch nicht weniger.
Die Batterie macht den Unterschied deutlich
Vielleicht kennst du das noch einfacher von einer Batterie.
Eine Batterie besitzt eine bestimmte Spannung.
Diese Spannung verrät dir jedoch nicht,
-
welche Lampe angeschlossen wird,
-
welches Gerät betrieben wird,
-
oder welche Information übertragen wird.
Sie beschreibt lediglich das vorhandene elektrische Potenzial.
Beim Wasser ist es ganz ähnlich.
Wenn ein Wassergerät beispielsweise mit einem Redoxpotential von -300 mV oder -500 mV wirbt, beschreibt dieser Wert zunächst lediglich eine physikalisch-chemische Eigenschaft des Wassers.
Er sagt aus,
wie leicht dieses Wasser Elektronen aufnehmen oder abgeben kann.
Nicht mehr.
Warum werben Wassergeräte mit Redox?
Viele Wasserionisierer oder Wasserstoffgeneratoren verändern das Redoxpotential des Wassers.
Dies geschieht beispielsweise durch:
-
Elektrolyse,
-
Wasserstoffbildung,
-
Veränderungen des Mineralstoffgehalts,
-
oder Veränderungen des pH-Wertes.
Das Ergebnis ist Wasser mit einem veränderten Redoxpotential.
Das kann durchaus eine interessante Eigenschaft sein.
Doch genau an dieser Stelle entsteht häufig ein Missverständnis.
Ein verändertes Redoxpotential bedeutet nicht automatisch, dass darin biologisch aktive Redox-Signalmoleküle vorhanden sind.
Diese beiden Begriffe werden häufig gleichgesetzt – obwohl sie unterschiedliche Dinge beschreiben.
Redox-Signalmoleküle – Die eigentlichen Botenstoffe
Jetzt kommen wir zu dem Bereich, der die moderne Redoxbiologie so spannend macht.
Unser Körper stellt selbst ständig kleine Moleküle her, die Informationen zwischen den Zellen übertragen.
Diese nennt man Redox-Signalmoleküle.
Sie sind gewissermaßen die Messenger unseres Körpers.
Nicht weil sie besonders viel Energie liefern.
Sondern weil sie Informationen transportieren.
Man kann sich vorstellen, dass sie Botschaften wie diese übermitteln:
"Hier befindet sich eine verletzte Zelle."
"Bitte beginne mit der Reparatur."
"Hier wird Unterstützung des Immunsystems benötigt."
"Diese Zelle steht unter oxidativem Stress."
Erst durch diese Signale weiß der Körper, wo und wann eine Reaktion stattfinden soll.
Zurück in unsere Stadt
Erinnern wir uns an unsere Stadt.
Der Verkehr entspricht dem Redoxprozess.
Die Straßenqualität beschreibt das Redoxpotential.
Und plötzlich fährt ein Rettungswagen mit Blaulicht los.
Er fährt nicht einfach nur durch die Straßen.
Er transportiert eine wichtige Nachricht.
"Hier gibt es einen Notfall."
Genau das machen Redox-Signalmoleküle.
Sie bewegen sich nicht einfach.
Sie lösen gezielte biologische Reaktionen aus.
Sie sind die eigentlichen Informationsüberträger.
Eine zweite Analogie: Das Smartphone
Noch einfacher wird es mit einem Smartphone.
Der Akku besitzt eine Spannung.
Das entspricht dem Redoxpotential.
Der elektrische Strom fließt.
Das entspricht dem Redoxprozess.
Doch erst eine Nachricht über einen Messenger enthält eine Information.
Diese Nachricht entspricht den Redox-Signalmolekülen.
Ein voller Akku bedeutet noch lange nicht, dass jemand eine Nachricht verschickt.
Genauso bedeutet ein bestimmtes Redoxpotential noch nicht automatisch, dass biologische Signalmoleküle vorhanden sind.
Warum dieser Unterschied so wichtig ist
Gerade im Gesundheitsbereich wird häufig mit Begriffen wie
-
Redoxwasser,
-
negativem Redoxpotential,
-
antioxidativem Wasser,
-
Redox-Technologie,
-
oder Redox-Signalmolekülen
geworben.
Alle diese Begriffe beziehen sich auf das Thema Redox.
Doch sie beschreiben nicht zwangsläufig dasselbe.
Man könnte es mit diesen vier Begriffen vergleichen:
-
Strom
-
Spannung
-
Batterie
-
Nachricht
Sie gehören zusammen.
Aber sie sind nicht identisch.
Kurz zusammengefasst
Redox beschreibt den eigentlichen Prozess der Elektronenübertragung – eine der wichtigsten Grundlagen allen Lebens.
Redoxpotential ist eine Messgröße. Sie beschreibt lediglich die Bereitschaft eines Systems, Elektronen aufzunehmen oder abzugeben.
Redoxwasser ist Wasser, dessen Redoxpotential beispielsweise durch Elektrolyse oder Wasserstoffbildung verändert wurde.
Redox-Signalmoleküle hingegen sind konkrete, biologisch aktive Moleküle, die der Körper selbst zur Kommunikation zwischen den Zellen nutzt.
Unser Fazit
Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto deutlicher wird:
Redox ist weit mehr als nur ein Messwert auf einem Wassergerät.
Redox ist die Sprache, mit der Leben überhaupt funktioniert.
Das Redoxpotential beschreibt lediglich die "Spannung" eines Systems.
Die eigentliche Information transportieren jedoch die Redox-Signalmoleküle.
Deshalb sollten diese Begriffe nicht miteinander verwechselt werden.
Denn nur wer den Unterschied versteht, kann Technologien, Produkte und wissenschaftliche Aussagen richtig einordnen.
Und genau das ist unser Anspruch bei borCAN:
Nicht mit komplizierten Fachbegriffen zu beeindrucken, sondern Wissenschaft verständlich zu machen.
Denn Wissen schafft Klarheit.
Und Klarheit schafft Vertrauen.